Der Knigge Teich
Wo früher eine Mähwiese lag, ist am Waldrand der Lehrschen Wohld ein neuer Lebensraum entstanden: der Knigge-Teich. Die beiden neu angelegten Gewässer bieten geschützten Amphibien wie Springfrosch und Kammmolch geeigneten Lebensraum und laden dazu ein, die Natur in ihrer Entwicklung zu beobachten.
Historie und Lage
Das Gelände des Biotops „Knigge-Teich“ liegt im Südosten des Gemeindegebiets Lehre im Landkreis Helmstedt in der Lehrschen Wohld. Die Flächen wurden landwirtschaftlich genutzt, zuletzt als Mähwiese. Nördlich schließt sich das Beienroder Holz an, welches Anfang 2021 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Aus geologischer Sicht ist, ähnlich wie in der Geopunkt Mergelkuhle Hondelage, im Untergrund Posidonienschiefer anstehend. Die Fläche ist deshalb Teil eines für die Nutzung von Ölschiefer gewidmeten Gebietes. Daran erinnert die 1,7 km südlich liegende ehemalige Abbaufläche mit der Gedenkstätte „Schandelah Wohld“. Bei niedrigem Wasserstand kann die plattenartige Gesteinsformation gut erkannt werden.
Anlage des Biotops
Mit dem Otte-Teich und dem Teich am alten Bahnhof von Groß Brunsrode (Köterkamp) hatte der fun Hondelage bereits zwei Feucht-Biotope im Gemeindegebiet von Lehre geschaffen. Der Lehrsche Bürger Wilhelm Knigge nahm das im Jahr 2018 zum Anlass, einen Teil seines Grundstücks in der Lehrschen Wohld dem Naturschutz zur Schaffung eines weiteren Gewässers anzubieten.
Der Vorschlag wurde gerne angenommen, ein Konzept zur Gestaltung des angestrebten Feuchtbiotops wurde erarbeitet, die behördlichen Genehmigungen eingeholt und Fördergelder bei der „Niedersächsischen Bingostiftung für Umwelt und Entwicklungszusammenarbeit“ eingeworben. Ende 2024 konnte dann der Bagger anrollen und es entstanden am Waldrand zum Naturschutzgebiet „Beienroder Holz“ zwei flache Kuhlen und umliegende Wälle. Sträucher und Kleingehölze wurden gepflanzt, sowie erste Pflegemaßnahmen durchgeführt. Unterstützung erhielt die im fun Hondelage organisierte „Ortsgruppe Lehre“ dabei von Geflüchteten aus der nah gelegenen Unterkunft am Kampstüh.
Gestaltung im Detail
Beim Biotop „Knigge-Teich“ handelt es sich um zwei getrennte, unterschiedlich tiefe Gewässer mit zusammen bis zu 1.200 m² Wasserfläche. Die Teiche wurden mit flachen, sanft auslaufenden Ufern angelegt, um optimale Bedingungen für Amphibien zu schaffen. Der Aushub wurde zum Anlegen von Wällen nördlich und östlich der Teiche verwendet.
Zielarten der Maßnahme sind dabei der Springfrosch und der Kammmolch. Der flachere Teich darf laut Konzept regelmäßig austrocknen. Das verbessert durch die Verhinderung dauerhafter Fischansiedlungen die Bedingungen für Amphibien.
Südlich der Teiche befindet sich ein aus Naturschutzsicht besonders wertvoller Seggenbestand, der durch geeignete Pflegemaßnahmen besonders geschützt wird.
Zielart Springfrosch
Der Springfrosch (Rana dalmatina) ist eine wärmeliebende Amphibienart, die in Deutschland vor allem lichte Laub- und Laubmischwälder, Waldränder und angrenzende Waldwiesen besiedelt. Für seine Fortpflanzung nutzt er bevorzugt flache, zumindest teilweise besonnte und möglichst fischfreie Gewässer in Waldnähe. Als ausgesprochener Frühlaicher erreicht er seine Laichgewässer bereits im Februar. Die Weibchen legen meist zwischen März und Mitte April mehrere hundert Eier in einzelnen Laichballen ab. Diese werden typischerweise an Pflanzenstängel, Zweige oder andere Strukturen geheftet und befinden sich meist nur wenige Zentimeter unterhalb der Wasseroberfläche. Abhängig von der Wassertemperatur schlüpfen die Larven nach etwa ein bis vier Wochen. Ihre weitere Entwicklung verläuft vergleichsweise schnell: Bereits nach zwei bis vier Monaten ist die Metamorphose zum jungen Frosch abgeschlossen.
Für den Springfrosch sind flache, sich im Frühjahr schnell erwärmende Gewässer besonders geeignet. Die Gewässer können dabei in trockenen Jahren auch zeitweise austrocknen. Dies trägt dazu bei, dass sich keine dauerhaften Fischbestände entwickeln, die Laich und Larven gefährden können. Der flachere der beiden Knigge-Teiche wurde deshalb so angelegt, dass er regelmäßig trockenfallen darf. Zusammen mit den flach auslaufenden Ufern, der Lage am Waldrand und der Nähe zu weiteren geeigneten Landlebensräumen entstehen damit günstige Voraussetzungen für eine mögliche Besiedlung durch den Springfrosch.
Zielart Kammmolch
Der Nördliche Kammmolch (Triturus cristatus) ist mit bis zu etwa 18 Zentimetern Länge der größte der heimischen Molche. Er bevorzugt möglichst fischfreie, besonnte und strukturreiche Stillgewässer mit ausgeprägtem Ufer- und Unterwasserbewuchs sowie einem vielfältig gegliederten Gewässergrund. Bei geeigneter Witterung wandern die Tiere bereits ab Februar beziehungsweise März zu ihren Laichgewässern und verbringen dort einen großen Teil des Jahres. Paarung und Eiablage finden vor allem zwischen Ende März und Juli statt. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an Wasserpflanzen ab und falten häufig ein Pflanzenblatt um das einzelne Ei. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, deren Entwicklung – abhängig von der Temperatur – etwa zwei bis vier Monate dauert. In der Regel verlassen die Jungmolche im Spätsommer das Gewässer; einzelne spät entwickelte Larven können auch im Wasser überwintern.
Damit stellt der Kammmolch andere Anforderungen an ein Gewässer als der Springfrosch. Während der Springfrosch von flachen und sich schnell erwärmenden Bereichen profitiert und seine Larven vergleichsweise rasch entwickeln, ist der Kammmolch auf eine längere Wasserführung angewiesen, damit seine Larven ihre Entwicklung vollständig abschließen können. Die unterschiedlich tief angelegten Gewässer des Knigge-Teichs schaffen deshalb verschiedene Lebensraumbedingungen: Der flachere Teich kann zeitweise austrocknen, während der tiefere Bereich eine längere Wasserführung ermöglicht. Entscheidend für den Kammmolch ist zudem, dass die Gewässer fischfrei bleiben und sich mit der Zeit eine strukturreiche Wasser- und Ufervegetation entwickelt. Die angrenzenden Gehölze, Wiesen und Waldbereiche ergänzen den Lebensraum außerhalb des Wassers und bieten Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten. So entsteht am Knigge-Teich ein vielfältig strukturierter Lebensraum, der den unterschiedlichen Ansprüchen beider Zielarten gerecht wird.
Anfahrt und Verhaltensregeln
Anfahrt: Vom Lehre Richtung Boimstorf kommend kann ca. 1,7 km östlich vom Kampstüh aus gesehen geparkt werden. Anschließend sind es ca. 800 m südlich auf einem Waldweg. Empfohlen wird die Anfahrt mit dem Fahrrad.
Da es sich um einen Lebensraum aus zweiter Hand handelt, soll der Mensch künftig nicht ausgeschlossen werden. Auf einem vom Weg leicht erreichbaren Wall befindet sich eine Sitzgelegenheit mit einer Informationstafel.
Bitte beachten:
- Keine Pflanzen oder Tiere, insbesondere Fische, aussetzen
- Uferbereiche nicht betreten
- Hunde anleinen